Tanken in Clausthal um 1925

Harro war noch nicht auf der Welt, Autos waren gerade im Oberharz noch selten, nur Schnee gab es schon reichlich: 1925 errichtete die Shell ihre erste Zapfsäule in Clausthal. Standort war der Hindenburgplatz am unteren Ende der Adolf-Roemer-Straße, direkt vor dem stolzen Hauptgebäude der Universität.

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Vor Harros Zeit (ca. 1925): Die erste Zapfsäule der Shell stand am Hindenburgplatz vor dem Universitätsgebäude. Und so sah sie aus...
Einsame Säule: Spritversorgung 1925 vor der Universität

Die Tankstelle am Rollplatz

Eine Zapfsäule reichte im Aufschwung der 30er-Jahre bald nicht mehr. Die Shell baute eine Tankstelle am Rollplatz – vom alten Standort aus über die Schulstraße zu erreichen. So sah die neue Tankstelle im Jahr 1935 aus:

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Die Tankstelle am Rollplatz im Jahr 1935
Und natürlich lag wieder viel Schnee

Harro steigt ein - Tankwart wider Willen

Nur einen schmalen Zugang schaufelte Harro frei
Reichlich Schnee im Winter 1964
Hinter Schneebergen versteckt: Die Tanke 1964

Im Herbst 1964 suchten Marlies und Harro Schönfelder eine Wohnung in Clausthal. Schwer zu finden. Da kam ein überraschendes Angebot: Die zur Shell-Station am Rollplatz gehörende Wohnung war frei – wenn Schönfelders die Tankstelle mit übernähmen. Immerhin: Ein Wohnzimmer mit 15,2 m² Fläche, ein Schlafzimmer (13,2 m²) und eine Küche (10,5 m²) waren für das junge Paar nicht zu verachten. Schließlich war auch ein Bad (3,3 m²) und ein Flur (8,2 m²) dabei. Und vielleicht ließe sich mit der Tankstelle ein Zubrot verdienen?
In den ersten Tagen gab es vor allem eins: Viel Schnee zu räumen. Das dämpfte den Umsatz: Er belief sich auf exakt zwei Liter Mopedbenzin. Und die technischen Installationen der Tankstelle und die Fahrbahnbeleuchtung waren in einem beklagenswerten Zustand.

Die erste Bilanz: 491,35 Mark Umsatz

Der Verkaufsraum 1964
Tankstelle 1964: Schnee satt
Der Verkaufsraum 1964
Der Verkaufsraum 1964
Der Verkaufsraum 1964

Die Geschäfte liefen zäh. Harro arbeitete weiter als Schlosser und Instandhalter des Fuhrparks in der Clausthaler Bleihütte, Marlies bei der Stadt Clausthal. Tagsüber betreute Marlies die Tankstelle, nach Schichtende Harro. Viel zu betreuen gab es nicht, die erste Jahresbilanz weist aus: In Kommission für die Shell wurde Benzin und Öl im Wert von 255,55 Mark verkauft, auf eigene Rechnung Zubehör für 405,85 Mark und Reifen für 85,50 Mark.

Das war bei diesen Räumlichkeiten aber auch kein Wunder. Harro kommentiert:"1,60 m breit und 3,20 m lang, das Dach undicht - es gibt Schlimmeres."

Die Shell stoppt die Lieferung von Super-Benzin

Als der Frühling beginnt, staunen die Herren von Shell. Der Umsatz steigt von Tag zu Tag. Es kommt der Spruch auf: In Clausthal gehen die Uhren anders.“ Shell gefiel der Erfolg nicht, Harro bekommt langsam mit, dass die Planung eigentlich vorsah, die Tankstelle zuzumachen. Für 19 Monate wird Harro nicht mit Superbenzin beliefert. Eine befriedigende Begründung dafür gibt es nicht – aber eine Entschädigung. Harro erzählt: „Ich bekam einen Arbeitsanzug.“

Kein Superbenzin? Dann verkaufe ich eben normal
Frühling in Clausthal
Frühling in Clausthal
Harro packt an: Das Geschäft beginnt zu laufen

Die Tankstelle wird zum Hauptberuf

Harro hängt sich immer mehr rein und der Umsatz wächst. Der Erfolg der Tankstelle erweist sich bald als Segen. Denn 1967 schließt die Bleihütte. Und die Zahl der Autos, an denen geschraubt werden muss, wächst im Wirtschaftswunder rapide. Zumal auch die Studenten in Clausthal auf einen fahrbaren Untersatz ungern verzichten: Zentrale Lage und perfekte Anbindung ans Schienennetz sind nicht unbedingt Pluspunkte der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld.

Harros Kundenstamm wächst. Weil er kompetent repariert, zu fairen Preisen – und die Kunden haben die Möglichkeit, selbst mit anzupacken. Wie Harro müssen sie das allerdings im Freien tun – die Werkstatt ist der freie Platz neben den Zapfsäulen.

Gearbeitet wird grundsätzlich im Freien
Nicht nur Käfer werden verarztet
Bremsen müssen in Schuss gehalten werden
Da tut eine Pause mal ganz gut
Und Schnee gibt es jedes Jahr reichlich
Schon chic gekleidet, unser Harro

1972: Die Kunden helfen beim Umbau mit

Die Umsätze entwickelten sich prächtig. Im Jahr 1972 wurde selbst die Shell darauf aufmerksam. Insbesondere die Reifenumsätze waren rekordverdächtig. Harro wollte den Verkaufsraum vergrößern. Das Gespräch zwischen dem zuständigen Verkaufsleiter der Shell und Harro lief so ab.

Harro: „Geben Sie mir 25.000 Mark, der Rest ist meine Sache.“ Herr D. von der Shell, in einem Telefonat: “ok“. Das Geschäft wurde per Handschlag abgeschlossen.

Am nächsten Tag standen einige Studenten bereit und es wurden die ersten Wände abgerissen. Nach einem Monat war alles fertig. Der Verkaufsraum war jetzt 30 m² groß und hatte neue Regale.

Harro: „Die Kunden halfen mit beim Umbau. In Clausthal gehen die Uhren anders.

Das neue Gesicht der Tankstelle
Der Meister im neuen Verkaufsraum
Das neue Gesicht der Tankstelle
Das neue Gesicht der Tankstelle - mit dem Meister
Harro trinkt seinen schrecklichen Kaffee auch selbst
Harros Tanke hat jetzt einen Shop


Feierabend an der Tankstelle

Wachstum mit Problemen

Der Umsatz auch an Teilen - besonders Reifen, und im Winter Schneeketten - wuchs. Das schuf Lagerprobleme: Jedes freies Eckchen wurde genutzt.

Abschied von der Rollstraße

Ende der 70-er Jahre wird der Druck auf Harro immer größer, sich doch endlich von der viel zu kleinen Tankstelle in der Rollstraße zu trennen. Die Alternative: Übernahme und Umbau der Shell-Station Hoffmann in der Andreasberger Straße. Eine schwere Entscheidung für Harro. Denn riesige Investitionen stehen an. So sah die Shell-Tankstelle in der Andreasberger Straße vor Umbau und Übernahme aus. Die beiden letzten Fotos stammen von Hans-Dieter Müller. Der blaue Kadett im Bild ist seiner.

Beginn einer neuen Ära

Am 1. Oktober 1979 kauft Harro Schönfelder die Tankstelle Spitana/Hoffmann in der Andreasberger Straße für 390.000 D-Mark. Bald daruaf beginnen Abriss und Neubau nach den neusten behördlichen Vorschriften - die leider nicht allzu lange Bestand haben. Bald werden neue, große Investitionen nötig. Doch dazu weiter unten mehr. Schon der ursprüngliche Neubau ist ein Millionenprojekt, die Shell übernimmt ein Drittel der Investitionssumme.

"Wer baut, bekommt graue Haare" (Harro)

Da hat der Meister sicher Recht. Aber auf den Bildern sieht es so aus, als ob nur die anderen arbeiten...

Aber es gibt eine Vision

Matthias Troschier hatte auf Basis der Baupläne ein Modell der neuen Tankstelle als Diarama gebaut.

Die Bauarbeiten dauern ein Jahr

Im Oktober 1979 rollten die Bagger, bis November 1990 dauerten die Baurbeiten. Dabei blieb die Tankstelle immer geöffnet - und die Kunden hatten dafür Verständnis. Denn: "In Clausthal gehen die Uhren anders." (Harro)

Am 28. November 1990 ist es soweit

Harro lädt ein zur großen Neueröffnung

Zur Eröffnung kommen viele Gäste






Harro und Marlies


Elke und Werner Hansmann mit Harro

Im Verkaufsraum gibt es ein reichhaltiges Angebot

Und darauf sind Marlies und Harro mit Recht Stolz. Kaum zu glauben: Die Shell bestand damals auf ein reichhaltiges Angebot an Auto-Ersatzteilen. Heute ist an Tankstellen so gut wie unmöglich, einen Keilriemen oder eine Dose Bremsflüssigkeit zu erwerben - selbst für Ersatzglühbirnen braucht man Glück. Alkoholiscge Getränke dagegen gibt es reichlich. Das geht nicht immer gut. Da hilft selbst das Alkoholverbot im Koran nicht viel, wie das nächste Kapitel zeigt.

Kaum gebaut, schon kaputt

Die Tankstelle nach der Fertigstellung 1990

Originelle Werbung beim Feuerwehr-Jubiläum

Bundesweit bekannt

1981 erscheint eine große Geschichte über Harros Tankstelle in der Autozeitschrift mot. Autor ist Jochen Kruse, von 1975 - 1979 Kunde bei Harro, jetzt Redakteur bei mot. Zum Lesen des Artikels als pdf hier klicken.

Von der Shell gelobt

Die Shell AG war mit Harros Arbeit immer sehr zufrieden. Das beweisen zahlreiche Urkunden.
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)



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